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Faculty Research

2025

Umgang mit sprachlicher Variation: gendergerechte Sprache als Herausforderung für DaF/Z-Lehrende und Lernende?

LIPSKY Angela

Professor

German Studies

Die öffentliche Diskussion in Deutschland um Gendergerechtigkeit und diskriminierungsfreie Sprache hat bereits zu starken Veränderungen in der deutschen Sprache geführt und zu einer Vielfalt an Praktiken für die Bezeichnung von Personen. Unterschieden werden oft vier Schreibstile: die traditionelle Schreibweise mit geschlechtsübergreifenden Maskulina, der feministische Stil mit femininen und maskulinen Doppelformen, die inklusiv-queeren Schreibweisen mit Asterisk oder Doppelpunkt vor dem femininen Suffix -in und das sogenannte flexible Gendern.

Gendergerechte Sprache wird wegen dieser Vielfalt an Formen für die Personenreferenz und des sich noch wandelnden Sprachgebrauchs allgemein als besondere Herausforderung für die DaF/Z- Vermittlung betrachtet.

In dem Vortrag wurde die Frage, wie mit dieser Herausforderung umgegangen wird, aus drei Perspektiven beleuchtet:

1. aus didaktisch-methodischer Perspektive: Eine Untersuchung von Lehrwerken deutscher Verlag zeigt, dass in den letzten Jahren vermehrt verschiedene Varianten, auch inklusive Formen, in Lehrwerken verwendet oder thematisiert werden. Vor 2020 sind nur vereinzelt Doppelnennungen in Lehrwerken zu finden und es wurde nur einige wenige Versuche unternommen, das Thema gendergerechte Sprache anzusprechen.

2. aus der Perspektive von DaF-Lernenden: In einer Online-Umfrage wurden amerikanische und japanische Germanistikstudierende während eines Austauschstudiums in Deutschland nach ihren Erfahrungen mit gendergerechter Sprache im deutschsprachigen Alltag befragt. Als Ergebnisse sind festzuhalten: Die Studierenden kommen besonders in den Kursen an den deutschen Universitäten mit gendergerechter Sprache in Berührung. Sie haben verschiedene Varianten wahrgenommen, sind aber bei der eigenen Benutzung mit der Vielfalt der Formen und den Bedeutungsunterschieden überfordert und verwenden selbst nur wenige Formen.

3. aus der Perspektive von DaF-Dozierenden: Leitfadengestützte Interviews mit sechs DaF-Dozierenden machen deutlich, dass Lehrende eine Integration von gendergerechter Sprache in den DaF/Z-Unterricht für wünschenswert erachten, sich aber für die Berücksichtigung der verschiedenen Varianten mehr Hilfestellung von Lehrmaterialien wünschen. (Studie von Mina Ahl)

Abschließend kann festgestellt werden, dass sich aus keiner der Perspektiven ein völlig unproblematischer Umgang mit der aktuellen Vielfalt ergibt. Trotzdem scheint mit gendergerechter Sprache ein Phänomen sprachlicher Variation vorzuliegen, das sich –  vergleichbar etwa mit regionalen Varianten und standardsprachlicher Varietät in Deutschland, Österreich und der Schweiz –  als Thema im Fach DaF/Z nicht mehr ausklammern lässt.

Gemeinsamer Vortrag mit Mina Ahl (Masterstudentin an der Universität Jena) auf der Internationalen Tagung der Deutschlehrer:innen (IDT) in Lübeck am 29. Juli 2025